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09.05.2020 10:13 Alter: 26 days

Gottesdienste in Zeiten von Corona


Der Wunsch, ja die Sehnsucht sich endlich wieder in Gottesdiensten zu versammeln wird immer größer. Das ist nachvollziehbar. Die gesellschaftliche Öffnung mitten in der Pandemie erhöht den Druck auch auf die Kirchen.

Wie unterschiedlich einzelne Kirchengemeinden - auch innerhalb der verschiedenen Kirchen - auf die neuen Möglichkeiten reagieren, zeigt, dass der Weg zu Gottesdiensten nicht ganz so einfach ist.
Denn zur Durchführung von Gottesdiensten in Zeiten von Corona gehört mehr als nur der Wunsch und das geistliche Bedürfnis nach Gemeinschaft und Gottes Wort.

Da sind formelle Auflagen:

  • Ein Mindestabstand von 2 Metern zwischen den Teilnehmenden in alle Richtungen ist einzuhalten, Hausgemeinschaften dürfen allerdings direkt nebeneinander sitzen
  • Das Abstandsgebot gilt auch beim Betreten und Verlassen der Kirche.
  • Eine Höchstteilnehmendenzahl im Verhältnis von Grundfläche und Platzbedarf ist festzulegen.
  • Ein schriftliches Sicherheitskonzept muss vorliegen.
  • Ein Team von Ordnern ist für jede Veranstaltung erforderlich, das in ein konkretes Sicherheitskonzept eingewiesen wird und dieses freundlich und bestimmt umsetzt.
  • Beim Betreten der Kirche sind die Hände zu desinfizieren. Es müssen ausreichend Seife, Desinfektionsmittel und Einweghandtücher bereitstehen.
  • Wege und Laufrichtungen müssen klar gekennzeichnet sein.
  • Die Räume müssen nach Veranstaltungen gut gelüftet, sowie Flächen und Gebrauchsgegenstände desinfiziert werden.
  • Auf Händeschütteln, Umarmungen und liturgische Berührungen (z.B. Friedensgruß und persönliche Segnung) muss zum Schutz des Nächsten verzichtet werden.
  • Die Teilnehmenden müssen namentlich in Listen erfasst werden, um im Ansteckungsfall die Infektionskette nachverfolgen zu können.

Dann gibt es gestalterische Auflagen:

  • Gemeindegesang wird nicht empfohlen (Beim Singen werden besonders viele Aerosole ausgestoßen, die das Virus transportieren können)
  • Wenn gesungen wird, ist zu beachten:
    • Nur kurze Gesänge sind empfohlen
    • Gesangbücher sind nicht erlaubt
    • Mund-Nase-Bedeckung ist erforderlich
    • Vokal- und Bläserchöre sind nicht erlaubt
    • Einsatz von Solisten und kleinen Ensembles (3- Personen mit Abstand) ist mit mind. 4m Abstand zu BesucherInnen möglich.

Und es gibt auch theologische Fragen, die zu bedenken sind:

  • Wer darf zum Gottesdienst kommen, wenn nicht alle rein passen?
  • Haben nicht gerade die Älteren, die am gefährdetsten sind, das größte Bedürfnis zusammen zu kommen?
  • Oder kommen eben die, die am wenigsten gefährdet sind? Sind das die Bedürftigsten?
  • Oder geht's nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst?
  • Oder gibt es Gottesdienstbesuch nur mit Voranmeldung?

Und natürlich gibt es auch emotionale Fragen:

  • Was ist uns an unseren Gottesdiensten wichtig?
  • Befriedigen uns Gottesdienste, in denen nicht kräftig gesungen wird?
  • Genügt es uns, nur ein Teil der Gemeinde zu sehen, aber vielleicht gar nicht die, die wir gerne sähen?
  • Reicht es, in der Kirche zu sein, eine Predigt zu hören, ohne zusammen stehen und schwätzen zu können?

All das sind keine Argumente gegen Veranstaltungen in der Kirche. Aber ist es angemessen Veranstaltungen, die den formellen Voraussetzungen entsprechen angesichts der gestalterischen, theologischen und emotionalen Fragen als Gottesdienste zu bezeichnen?

"Gottesdienst" ist in der EmK mehr als nur eine liturgische Veranstaltung und auch die Predigt steht nicht mehr allein im Mittelpunkt. Vom Agendeausschuss unserer Kirche werden derzeit Abläufe erarbeitet. Im Bezirksvorstand - und dann auch in den Gemeindevorständen - werden wir sehr sorgfältig überlegen, welche Schritte wir gehen.

Dazu brauchen wir die Unterstützung vieler: im Gebet, in der praktischen Umsetzung und im Mittragen und Mitgehen dieses Weges, weil es nur gemeinsam funktionieren kann.