Spielcafé im Asylbewerberheim

gastfreundlich - menschlich - wertschätzend

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Das Spielcafé sagt »maʿa s-salamah«*

Donnerstage

Im vergangenen Jahr hat das Spielcafé sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. 2014 hatten wir im August begonnen jede Woche Donnerstags der (damals einzigen) Sammelunterkunft für Asylbewerber in der Austraße einen Besuch abzustatten. Mit Spielen, Kaffee und Kuchen im Gepäck sowie dem mit Biertischen und ‑bänken beladenen Anhänger von Siegeles sorgte die Gruppe für zwei Stunden Abwechslung und gute Laune in der eher trostlosen Umgebung am nördlichen Rand Heilbronns.

Im Sommer war es kein Problem, die Außenanlagen zu nutzen. Schnell kamen wir mit BewohnerInnen in Kontakt. Sie freuten sich riesig, wenn wir kamen und halfen schnell beim Ausladen und Aufbauen. Als es kühler und regnerischer wurde, räumte die Stadt einen als Lager genutzten Raum und ermöglichte den Umzug des Spielcafés ins Trockene und Warme.

Schnell entstanden persönliche Kontakte und Unterstützung einzelner Personen und Familien, was weit über die 2 Stunden Spielcafé vor Ort hinaus ging: Ämtergänge, Sprachförderung, Wohnungssuche, persönliche Begleitung und vieles mehr.

Als 2015 die Zahl der Geflüchteten in Deutschland – vor alle aufgrund des Bürgerkrieges in Syrien – stark anstieg, wurde auch die Sammelunterkunft stärker belegt und eines Tages war der Spielcafé-Raum mit Betten belegt. Also zogen wir wieder nach draußen. Im Sommer kein Problem. Als es wieder kälter und regnerischer wurde, stellte die Stadt ein großes stabiles Zelt auf, das im Winter beheizt werden konnte. Nach der Einrichtung weiterer Unterkünfte für Asylbewerber in Heilbronn konnte das Spielcafé im Herbst 2016 wieder in den Raum einziehen. In diesem Jahr konnte durch Spenden von Audi und Daimler ein eigener Anhänger angeschafft werden, der bei vielen Umzügen und anderen Gelegenheiten gute Dienste geleistet hat.

Der nächste große Einschnitt war, dass 2018 die Familien aus der Austraße in Unterkünfte verlegt wurden, die für sie besser geeignet sind. Die Gruppe entschied sich dafür, dennoch (oder gerade deswegen) das Angebot in der Austraße aufrecht zu erhalten. Die Zahl der Besucher nahm dadurch zwar drastisch ab, aber für die, die kamen, blieb es ein wichtiger Anlaufpunkt. Durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie musste das Spielcafé im März pausieren. Es wird aber im Sommer nicht wieder beginnen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen (von Schwangerschaft bis Alter) werden die Mitarbeitenden weniger, so das wir als Gruppe das Ende des Spielcafé beschlossen haben. Ob und wie eine ehrenamtliche Arbeit in der Austraße wieder entstehen wird, liegt nun in der Verantwortung der ARGE Flüchtlingshilfe.

Unvergessen bleiben Highlights wie die Kleideraktion vor dem ersten Winter, Sommerfeste im Gemeindegarten und im Hof der Sammelunterkunft mit Luftballonstarts, aber auch unsere Weihnachtsfeiern mit Posaunenchor und Wunderkerzen.

und darüber hinaus

Schnell wurde nach Beginn des Spielcafés deutlich, dass es mit zwei Stunden in der Woche nicht getan ist. Viele der Mitarbeitenden verbrachten viel Zeit mit der persönlichen Begleitung von Einzelnen und Familien. Diese Beziehungen sind mit dem Ende des Spielcafé nicht vorbei, sondern bleiben natürlich erhalten.

Über die Arbeit als kirchliche Gruppe hinaus, kam es in diesen sechs Jahren zu vielfältigen Kooperationen: Allen voran die – in der Regel – gute Kommunikation mit der Stadt Heilbronn von der Planung bis zu Einzelmaßnahmen. Im Kontakt mit den SozialarbeiterInnen in der Austraße waren Ideen, Probleme oder Fragen schnell zu klären. Die Unterstützung durch die ARGE Flüchtlingshilfe war sehr hilfreich, auch der Austausch mit anderen Unterstützergruppen war wichtig. Musikprojekte mit Einzelkünstlern wie mit dem „Elfen“-Chors des Robert-Meyer-Gymnasiums haben uns bereichert. Überhaupt dass außer der Gruppe von EmK‘lern sich bald auch andere im Spielcafé enagierten war eine schöne Erfahrung.

Dass die Zahl der Geflüchteten zunahm, führte auch dazu, das wir uns als Gruppe auch für politische Aktivitäten entschieden. Von Informationsveranstaltungen zur Flüchtlingspolitik und zum Asylverfahren bis zu Podiumsdiskussionen anlässlich von Bundestags-, Landtags- und Europa-/Kommunalwahlen reichte das Spektrum. Wir haben unser Unverständnis über die Abschaffung des Mobilitätstickets durch die Stadt Heilbronn zum Ausdruck gebracht, genauso wie wir den Beitritt der Stadt Heilbronn zur „Seebrücke“ gefordert haben.

Dank

Ein breites Spektrum bietet sich im Rückblick auf 6 Jahre „Spielcafé im Asylbewerberheim“. Es war eine Zeit, in der wir als Mitarbeitende reich beschenkt wurden - mit neuen Erfahrungen, neuen Beziehungen, neuen Perspektiven.

Über 40 Personen haben sich in dieser Zeit – mehr oder weniger lang – eingebracht. Sie alle haben zum „Erfolg“ des Spielcafé beigetragen. Auch wenn wir jetzt das Spielcafé beenden und als Mitarbeitende darüber traurig sind – es war ein wichtiges Projekt, das weit über unsere Kirche und weit über die Sammelunterkunft in der Austraße hinaus gewirkt und Spuren hinterlassen hat. Das stimmt uns dankbar und deshalb möchte ich allen, die dazu beigetragen haben ganz herzlich danken!

* Tschüss auf Arabisch

glauben + handeln

Wir glauben, dass Gott alle Menschen gleichermaßen liebt. Diese Liebe gilt ohne Ansehen der Person, unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht.
Die Fürsorge für „Fremdlinge“ hat in der Bibel hohe Priorität, in Erinnerung daran, dass das Volk Israel Fremdling in Ägypten war.
In einer Stadt mit ca. 50% BewohnerInnen mit Migrationshintergrund wollen wir gerade den Fremden in der Liebe Gottes begegnen und ihnen ein Zeichen des Willkommens geben.

begegnen + teilen

Wir wollen für Menschen, die mitten unter uns leben und uns noch fremd sind, da sein und ihnen in Liebe und Freundlichkeit begegnen, wie Gott es auch tut.
Wir teilen die Liebe Gottes, ohne andere „bekehren“ zu wollen. Wir missionieren nicht, verbergen aber auch unsere christliche Motivation nicht. Wir begegnen den Menschen freundlich und hilfsbereit und sind damit gelebtes Zeugnis der Liebe Gottes.

spielen + lernen

Spielend leicht ist es nicht, mit Menschen, die uns fremd sind in Kontakt zu kommen. Aber mit einem spielerischen Ansatz sehen wir im Fllüchtlingswohnheim Heilbronn Chancen dazu.
Mit Brettspielen am Tisch, sportlicher Aktivität im Freien gibt es Gelegenheit einander ungezwungen zu begegnen. Kaffee und Kuchen auf schön dekorierten Tischen laden ein zum Reden und Zuhören. Unterstützung im Lernen der deutschen Sprache ist ebenfalls spielerisch möglich.

mitmachen + fördern

Mitarbeit beim Spielcafé wird in verschiedenen Bereichen benötigt:

  • bei der Ausgabe von Kaffee und Kuchen
  • beim Spielen mit Kindern und Erwachsenen
  • beim Reden und Zuhören

Unterstützung im Hintergrund ist auch wichtig:

  • Kuchen backen
  • Interesse zeigen
  • Kaffee kochen
  • beten
  • spenden: Konto der EmK, Bezirk Heilbronn: BW-Bank Heilbronn;
    IBAN: DE65600501017467500139 (Stichwort: „Spielcafé")